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Nach etlichen Angeltrips ins schwedische Västervik in den vergangenen Jahren und einem Jahr berufsbedingter Pause wollte ich 2010 unbedingt wieder gen Norden. Diesmal sollte es aber nicht mehr nach Västervik gehen, etwas Neues, Unbekanntes musste her. Das Aufspüren der Fische an unbekannten Gewässern, das Finden neuer Plätze, am Besten an noch in der Szene unbekannten Gewässer, das gehört für mich zum Hechtangeln wie der Boilie zum Karpfenfischen.
Und so viel die Wahl diesmal auf einen größeren See im Süden Norwegens. Einzig ein Amateurvideo einer Gruppe Spinnfischer mit reichlich Kleinhecht konnten wir im Internet aufspüren, das war es aber auch was wir an Informationen über den See ausfindig machen konnten. „Großhechte wird es in so einem großen Gewässer wohl genug geben“ beruhige ich die Truppe, aber Jens nimmt dieses Video zum Anlass bei jeder Gelegenheit auf unsere diesjährige Zielfischgröße hinzuweisen.
Ende April ging es dann los, Stefan und Jens als Team in einem Leihboot, meine Frau und ich in unserem Buster das unserem Kombi mit stoischer Ruhe und einem Abstand von ca. einem Meter den langen Weg nach Norwegen folgte. Wie immer fuhren wir durch die Nacht um dem Verkehr etwas aus dem Weg zu gehen. Früher als erwartet kamen wir vormittags am Ziel an. Der Weg zu unserer Unterkunft führt dann noch über Stock und Stein, überlaufen ist es hier wirklich nicht. Der See liegt in Sichtweite, den Schlüssel unserer Hütte finden wir wie mit dem Besitzer abgesprochen an seinem Versteck. Nach dem Entern der Hütte sind wir erstmal beruhigt, zumindest schon mal keine böse Überraschungen mit der Unterkunft. Zügig räumen wir das Gepäck aus dem Auto und dem Boot, als auch schon unser Vermieter Magnus vorbeischaut um nach dem Rechten zu sehen. Nach der Begrüßung interessiert uns natürlich gleich wie es aktuell auf Hecht läuft, aber da er kein Angler ist kann er uns keine Infos und Tipps geben. Nur das das Eis seit 2 Wochen weg und generell alles etwas spät ist in diesem Jahr…
Nicht die besten Voraussetzungen, schließlich wollten wir eigentlich deutlich nach der Laichzeit ein abwechslungsreicheres Angeln erleben als sonst gewohnt. Na ja, wenigstens schnell das Boot trailern und raus auf’s Wasser für ein kleines Warm Up, schließlich ist der Tag noch lang. Doch Trailern gestaltet sich schwierig, es gibt nämlich keine richtige Trailerstelle. Also wildes Trailern, aber im matschigen Untergrund leider nicht mit unserem Fronttriebler möglich. Magnus bietet an das mit seinem Geländewagen zu machen, 2 km weiter und 20 min später ist das Boot dann im Wasser. Von Wasser kann man hier aber kaum sprechen, braune Suppe wäre angebrachter. Schmelzwasser der Zuflüsse und heftige Regenfälle der letzten Tage haben viel Schlamm ins Wasser gespült, die Sichttiefe beträgt vielleicht 10cm. „Auf Sicht angeln fällt dieses Jahr wohl flach, und wie sollen wir da Steine im Wasser sehen?“ waren meine ersten Worte zu Stefan der mich auf dem Weg zum Liegeplatz begleitet. Seekarte gibt es keine, aber unser Vermieter meinte auf freiem Wasser können wir ruhig unbedenklich fahren.
So richtig traue ich ihm da nicht, und dann kommt es wie es kommen musste. Intuitiv fahre ich in der Nähe einer Insel langsam, und da tut es auch schon einen kräftigen Schlag im Heck des Bootes – Stein getroffen. Da ist mir so noch nie passiert, und das gleich am ersten Tag. Noch mal gutgegangen, zum Glück ist der Sporn den 50PS – Motors relativ groß und schützt die Schraube vor direktem Steinkontakt. Das wird ja dann ein Spaß wenn das die nächsten 8 Tage so weitergeht.
Gegen Mittag beziehen wir die beiden Boote und legen los, erstmal die Gegend erkunden und schauen wo sich die Hechte denn aufhalten. Schilf hier, Schilf dort, Bucht hin, Kante her – hunderte guter Stellen, aber überall nichts !!! „Wir müssen sie halt erst finden“, versuche ich Ivonne bei Laune zu halten, aber sie wollen irgendwie nicht. Dann endlich an einer Schilfkante doch noch ein Biß, der erste norwegische Monster - Hecht der Tour darf auch noch für ein Beweisfoto herhalten.
 Ein gefundenes Fressen für Jens sich in der Zielfischgröße bestätigt zu fühlen, aber auch er weiß das die ersten Pflaumen oft madig sind.
Am nächsten morgen geht es dann früh raus. Trotz Sichtweite zum See bedarf es einer kurzen Autofahrt zum Boot, schließlich haben wir einiges an Gerät zu befördern. Vor dem Fahren heißt es aber erstmal kratzen, anscheinen war es nachts etwas unter Null Grad. Eine dicke Eisschicht im Boot zeigt das Norwegen doch etwas anders ist als Schweden, aber die Wettervorhersage für die Tage ist im Allgemeinen sonnig und wir somit nicht sonderlich beunruhigt.
 Beunruhigt sind wir erstmal als wir erneut schlecht fangen. Während Jens und Stefan in dem Gebiet weiterfischen das sie Tags zuvor erkundigt hatten bewegen wir uns weiter gen Westen und erkunden einen anderen Bereich des riesigen Gewässers. Die Wassertemperatur erreicht hier im Tagesverlauf schon 10°, trotzdem sind die 6 Hechte aller 4 Angler alle ähnlich groß wie der Hecht des Vortages. Langsam scheint sich Jens Vorahnung leider zu bestätigen, einzig ein etwas besserer Hecht den ich direkt im Schilf zum Biss verführe gibt Anlass zu Hoffnung. Allerdings steigt er aus bevor wir ihn zu Gesicht bekommen…
 Die Stimmung ist abends dann ziemlich am Boden. Die Fische wollen nicht (die Hechte erholen sich wohl gerade vom Laichgeschäft) und das Fahren mit dem Boot im schärenähnlichen Wasser bei null Sichttiefe ist extrem gefährlich. Trotz großer Vorsicht knallt es bei mir schon wieder heftig, diesmal ist der Sporn leicht verbogen. Zumindest ist die Schraube noch heil, was man von Jens und Stefans Propeller nicht behaupten kann. Der ist nach 2 harten Treffern bereits austauschfällig, funktioniert aber noch. Zu allem Übel sind noch 7 Angeltage übrig, und wir haben keinen Plan wie wir die Zeit noch rumbringen sollen. Das hatten wir uns alles etwas anders vorgestellt…
Zumindest kann Stefan noch einen Zander verführen, eine Abwechslung mit der wir garnicht gerechnet hatten.
 Abends in der Hütte machen schon abwertende Sprüche über norwegische Hechte die Runde, besonders Jens sehnt sich bereits nach Västervik, Müritz oder die Bodden zurück. „Sag einfach NEIN wenn ich das nächste Mal Deine Zustimmung zu einem Angeltrip in Norwegen haben möchte“ beichtet er seiner Frau am Telefon die bisherigen schlechten Fänge. Aber Aufgeben gilt nicht…

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